Aufbau des Kniegelenks

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers. Es verbindet den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Schienbein (Tibia) und ermöglicht die Streckung und Beugung des Beines. Zwischen den mit Knorpel überzogenen Anteilen des Oberschenkelknochens und des Schienbeins befinden sich die Menisken zur Dämpfung auftretender Belastungen. Die das Gelenk umschließende Kapsel produziert Gelenkflüssigkeit zur Ernährung des Knorpels. Stabilisiert wird das Kniegelenk durch den Bandapparat (Kreuzund Seitenbänder). Weitere schützende und stabilisierende Funktion hat die mit Knorpel überzogene Kniescheibe.

Kniegelenkarthrose

Der Verschleiß des Gelenkknorpels (Kniearthrose, Gonarthrose) ist die häufigste Ursache für eine Kniegelenkerkrankung. Meist kommt es einhergehend mit einer Fehlstellung im Sinne eines X- oder OBeines zur Überbelastung. Weitere Ursachen können Rheumatismus, Stoffwechselerkrankungen, angeborene oder erworbene Fehlbildungen sowie Verletzungen sein. Der Knorpelverlust führt im Gelenk zum direkten Kontakt von Knochen zu Knochen. Schmerzfreie Gehstrecken werden immer kürzer, bis auch der Ruhezustand keine Linderung mehr bringt. Gleichzeitig wird das Kniegelenk immer unbeweglicher.

Ersatz des Kniegelenks

Ein durch Arthrose zerstörtes Kniegelenk wird meist komplett ersetzt. Die ursprünglich mit Knorpel überzogenen Oberflächen werden durch eine Femur- Komponente am Oberschenkelknochen und eine Tibia-Komponente am Schienbein ersetzt. Je nach Knochenqualität, Körpergewicht und körperlicher Aktivität des Patienten werden die Metall-Komponenten mit Knochenzement oder zementfrei im Knochen verankert. Zwischen die Femurund Tibia-Komponente wird eine Gleitfläche aus Polyethylen eingesetzt. Um die Widerstandsfähigkeit der Komponenten zu erhöhen, werden spezielle Legierungen verwendet, die bei einigen Systemen mit einer keramischen Oberfläche versehen sind. Diese Keramikschicht ermöglicht auch die Versorgung von Metall-allergischen Patienten.

Operation

Die Dauer der in Vollnarkose oder mit einer Rückenmarksbetäubung durchgeführten Operation beträgt zwischen 60 und 140 Minuten. Nachdem der Operateur die zerstörten Knorpeloberflächen entfernt hat, wird der Knochen mit speziellen Schablonen präzise vorbereitet. Anschließend werden die Femur- und Tibia-Komponenten exakt eingepasst sowie die Gleitfläche eingesetzt. Die Verankerung im Knochen erfolgt zementfrei oder mittels Knochenzement. Falls erforderlich wird auch die Rückfläche der Kniescheibe durch eine Polyethylen-Komponente ersetzt. Die Beweglichkeit des neuen Gelenkes wird überprüft, die Weichteile verschlossen und zum Abfluss des Wundsekretes Drainagen eingelegt, die nach 2-4 Tagen entfernt werden.

Mögliche Komplikationen

Neben allgemeinen Operationsrisiken wie Blutung, Nachblutung und Infektion können während und nach der Operation auch spezielle Komplikationen auftreten. Auch bei sorgfältigster Operationstechnik sind eine Schädigung von großen Gefäßen und Nerven nicht immer auszuschließen. Endoprothesen können sich im Verlauf lockern, die Beinlänge kann sich unterscheiden, und es sind in sehr seltenen Fällen auch Verrenkungen möglich. Manchmal sind Bluttransfusionen erforderlich. Allerdings werden meist blutsparende Operationstechniken und Systeme zur Rücktransfusion (Cellsaver- Methode) eingesetzt. Dabei wird das austretende Blut aufgefangen, gereinigt und nach der Operation zurückgegeben. So können Fremdblutübertragungen und damit die Gefahren einer Ansteckung mit Hepatitis oder HIV (AIDS) vermindert werden. Für Patienten, die nach einer Operation zunächst nicht voll mobilisiert werden können, besteht ein erhöhtes Thromboserisiko. Dieser Gefahr wird durch frühzeitigen Beginn von Krankengymnastik, der Verordnung von Antithrombosestrümpfen und -spritzen begegnet.

Nachbehandlung

Die Bewegungsübungen beginnen bereits am ersten Tag nach der Operation. Bei Implantation einer zementierten Prothese ist eine sofortige Vollbelastung erlaubt, bei zementfreier Technik darf das operierte Bein für einen Zeitraum von etwa 6 Wochen lediglich teilbelastet werden. Innerhalb weniger Monate wird die Beweglichkeit wiedererlangt. Erlaubt sind alle gelenkschonenden Sportarten wie beispielsweise Schwimmen, Radfahren, Tanzen, Ski-Langlauf, Golf und Gymnastik. Auf extreme Sportarten wie beispielsweise Alpin-Skilauf, Squash muss ebenso verzichtet werden wie auf schweres Heben. Übergewicht ist geeignet, die Lebensdauer der Prothese zu beeinträchtigen. Intensive Krankengymnastik fördert die Beweglichkeit und den Muskelaufbau. Die zwischen Arzt und Physiotherapeut abgestimmten Rehabilitationsmaßnahmen haben große Bedeutung für den Erfolg der Operation und die rasche Genesung. Die aktive Mitarbeit des Patienten hilft das Ziel schnell zu erreichen.